Gürtler* überlegte, wie oft er wohl in verschiedenen Zellen gesessen hatte. Schon als Bub hatten ihn die Schutzleute auf der Wache in der Alten Mainzer Gasse in die Zelle gesetzt in der Absicht, ihm einen heilsamen Schock zu verpassen. Er kannte von Jugend an das Polizeige-wahrsam in der Klapperfeldstraße, die Haftzellen verschiedener Polizeireviere, der Hammels-gasse und des Präsidiums, wo er auch jetzt einsaß. Und er kannte zig Knäste von innen, Preungesheim, Butzbach, Diez. Und natürlich die Kerker der Nazis. Resignierend nahm er auf der Holzpritsche neben einem zitternden Mann Platz.

 

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* "Friedrich Gürtler" ist ein Pseudonym. Den richtigen Namen des beschriebenen Ganoven konnte ich nicht verwenden, weil noch Nachfahren von ihm in Frankfurt am Main leben, deren Namen ich schützen wollte und musste.

 

 

 

 

Friedrich Gürtler - Das Leben eines Frankfurter Ganoven beschreibt den Werdegang eines realen Verbrechers vom Beginn seiner Karriere - einem Apfeldiebstahl als kleiner Junge kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts - über die Kaiserzeit, die Weimarer Republik, das sogenannte "dritte Reich" in die Bundesrepublik. Die in Archiven recherchierte Geschichte erstreckt sich schließlich bis hin zu seiner fulminanten Beerdi-gung auf dem Frankfurter Hauptfriedhof Ende der 1960er Jahre. Gürtler ist inzwischen ein zur Halbweltgröße avancierter und von weiten gesellschaftlichen Kreisen akzeptierter Bürger der Stadt; es kommt zu einer Beerdigung unter Beteiligung von Unterweltbossen und der Kriminalpolizei.

Das Begleiten Gürtlers durch seine Karriere öffnet auch den Blick auf über 60 Jahre gesellschaftlicher, politischer, polizeilicher und justizieller Entwicklung in Frankfurt und in Deutschland.

 

Die Story in der Story: Fred Bauer als Erzähler trifft nach vielen Jahren seinen aus den Augen verlorenen Freund Peter Ripper wieder, der in-zwischen Krimi-Autor geworden ist. Und in einem Disput über die Phantasie der Schöpfer von Kriminalromanen einerseits und die Realität der Kriminalpolizei andererseits ergibt sich die Situation, dass ich meinem alten Kumpel Peter bei mehreren Treffen Gürtlers Geschichte erzähle.
Dabei bleiben ironisierende Diskurse der beiden Protagonisten nicht aus, mit denen sie sich und ihre Zeit auf die Schippe nehmen.