Friedrich Gürtler - Das Leben eines Frankfurter Ganoven

Gürtler überlegte, wie oft er wohl in verschiedenen Zellen gesessen hatte. Schon als Bub hatten ihn die Schutzleute auf der Wache in der Alten Mainzer Gasse in die Zelle gesetzt in der Absicht, ihm einen heilsamen Schock zu verpassen. Er kannte von Jugend an das Polizeigewahrsam in der Klapperfeldstraße, die Haftzellen verschiedener Polizeireviere, der Hammelsgasse und des Präsidiums, wo er auch jetzt einsaß. Und er kannte zig Knäste von innen, Preungesheim, Butzbach, Diez. Und natürlich die Kerker der Nazis. Resignierend nahm  er auf der Holzpritsche neben einem zitternden Mann Platz.

Was soll ein Kriminalbeamter tun, wenn er angesichts all seiner Berufserfahrung absolut nichts mit der Darstellung seiner Arbeit in Romanen, ganz gleich, ob als Buch oder als Film, anfangen kann? Die sogenannten Kommissare, die in den gängigen Krimis alles falsch machen, die einfältigen Schutzleute, die auf das "Abführen!" warten und ansonsten gutmütige Staffage sind? Was soll er denn tun, der Kriminalbeamte, wenn er mit diesen gängigen Bildern nicht überein kommen kann?
"Schreib doch selbst mal ein Buch!" - das hört er immer wieder, und irgendwann ist es so weit: Der Kriminalbeamte erinnert sich einer Lebensgeschichte, die er in einer historischen, komplett erhaltenen Kriminalakte gelesen hat. Und er recherchiert weiter zu dieser Vita eines Frankfurter Ganoven, um das Ganze dann tatsächlich zu einem Buch zusammenzufassen!

Friedrich Gürtler - Das Leben eines Frankfurter Ganoven beschreibt den Werdegang eines realen Verbrechers vom Beginn seiner Karriere - einem Apfeldiebstahl als kleiner Junge kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts - über die Kaiserzeit, die Weimarer Republik, das sogenannte "dritte Reich" in die Bundesrepublik. Bis hin zu seiner fulminanten Beerdigung auf dem Frankfurter Hauptfriedhof als inzwischen zur Halbweltgröße avancierter Bürger der Stadt Ende der 1960er Jahre, eine Beerdigung unter Beteiligung von Unterweltbossen und der Kriminalpolizei.
Das Begleiten Gürtlers durch seine Karriere öffnet auch den Blick auf über 60 Jahre  gesellschaftlicher, politischer, polizeilicher und justizieller Entwicklung in Frankfurt und in Deutschland. 
 
Die Story in der Story: Bauer trifft nach vielen Jahren seinen aus den Augen verlorenen Freund Peter Ripper wieder, der inzwischen Krimi-Autor geworden ist. Und in einem Disput über die Phantasie der Schöpfer von Kriminalromanen einerseits und die Realität der Kriminalpolizei andererseits ergibt sich die Situation, dass Fred seinem alten Kumpel Peter bei mehreren Treffen Gürtlers Geschichte erzählt. 
Dabei bleiben ironisierende Diskurse der beiden Protagonisten nicht aus, mit denen sie sich und ihre Zeit auf die Schippe nehmen.